Erste Frist für neue Druckgeräterichtlinie

21/04/2015

Die erste Frist beim Übergang zur neuen Druckgeräterichtlinie (PED 2014/68/EU) ist der 1. Juni 2015. Für sämtliche Druckgeräte, die zu bzw. nach diesem Datum in Verkehr gebracht werden, gilt dann die neue Grundlage, mit der bestimmt wird, ob die Einstufung in Gruppe 1 möglich ist oder nicht.

Colin Pimley – Technical Manager, Lloyd’s Register Verification Die erste Frist beim Übergang zur neuen Druckgeräterichtlinie (PED 2014/68/EU) ist der 1. Juni 2015. Für sämtliche Druckgeräte, die zu bzw. nach diesem Datum in Verkehr gebracht werden, gilt dann die neue Grundlage, mit der bestimmt wird, ob die Einstufung in Gruppe 1 möglich ist oder nicht.

Dies wird über die Verordnung Nr. 1272/2008 über Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung (CLP) geregelt, die die Verordnung 67/548/EG ablöst.

Wie wir bereits in unserem ersten Artikel zur Überarbeitung der PED erläutert haben, handelt es sich hier um einen der zwei Kernansätze zur Revision der PED, die am schnellsten für Hersteller relevant wird.Float - PED revision logo

 

Dieser Artikel geht weiter in die Tiefe und soll Ihnen einen Überblick geben, wie diese Grundlage letztlich funktioniert. Damit sind Sie in der Lage zu überprüfen, ob sich die Einstufung Ihres Fluids oder Ihrer Fluide im Rahmen der neuen Vorschriften von Gruppe 1 auf Gruppe 2 bzw. umgekehrt ändert.

Die Einstufung der Fluide in der PED ist äußerst wichtig, da es sich um eine der Kernparameter handelt, mit denen die "Gefahrenklasse" der Druckgeräte und letztendlich die Anforderungen an die Konformitätsbewertung bestimmt werden. Zwar sei angemerkt, dass im Ergebnis der von der EU-Kommission durchgeführten Folgenabschätzung festgestellt wird, dass die Mehrheit der Stoffe nicht betroffen ist, trotzdem besteht bei den Herstellern die Pflicht, sich selbst und, in geeigneten Fällen, die Benannte Stelle davon zu überzeugen, dass die Einstufung des Fluids nach den neuen Kriterien korrekt ist.

Das laufende Verfahren

In der PED bildet Artikel 9 derzeit die Basis, nach der das allgemeine Verfahren zur Festlegung der "Gefahrenklasse" von Druckgeräten erfolgt. Dazu sind folgende Angaben notwendig:

   - Art des Geräts (Behälter, Dampferzeuger, Rohrleitung)
   - Auslegungsdruck (PS)
   - Volumen bzw. Nenngröße (DN)
   - Aggregatzustand (d.h. ‘flüssig’ oder ‘gasförmig’)
   - Fluidgruppe (1 oder 2)

Den Nutzern der App für die Kategorieauswahl der Druckgeräterichtlinie (PED) oder des Posters zur Druckgeräterichtlinie von Lloyd's Register wird auffallen, dass dies die ersten Angaben sind, die auch von der App gefordert werden oder durch die Darstellung auf dem Poster führen. Sobald diese Eingabeparameter bekannt sind, kann die entsprechende Tabelle im Anhang 2 bestimmt und somit die Gefahrenklasse festgelegt werden, ein Feature, das die App auf Grundlage der eingegebenen Werte automatisch durchführt.

Dazu sei an dieser Stelle angemerkt, dass lediglich der letzte Aufzählungspunkt von der CLP-Anpassung betroffen ist, alle anderen Elemente, einschließlich der Gefahrentabellen, bleiben unverändert.

Um mit dem gegenwärtigen Verfahren darzustellen, ob ein Fluid in Gruppe 1 gehört, verweisen wir auf den Artikel 9 (2.1) der PED;

Gruppe 1 umfasst gefährliche Fluide. Ein gefährliches Fluid ist ein Stoff oder ein Gemisch, der/das unter die Definitionen in Artikel 2(2) der Richtlinie des Rates 67/548/EG  vom 27. Juni 1967 zur Annäherung der Gesetze, Vorschriften und Verwaltungsbestimmungen in Bezug auf die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung von Gefahrstoffen fällt.

Gruppe 1 umfasst Fluide, die folgendermaßen definiert sind:

   - explosionsgefährlich
   - hochentzündlich
   - leichtentzündlich
   - entzündlich (wenn die maximal zulässige Temperatur über dem Flammpunkt liegt)
   - sehr giftig
   - giftig
   - brandfördernd

Wie legen wir also fest, ob ein Fluid einer dieser Gruppen zuzuordnen ist?

Zunächst wird das grundlegende Gefahrensymbol für die einzelnen oben aufgeführten Merkmale bestimmt, und zwar aus Abschnitt 2.2, Anhang VI der 67/548/EG:

   - explosionsgefährlich  = ‘E’
   - hochentzündlich = ‘F+’
   - leichtentzündlich = ‘F’
   - entzündlich (wenn die maximal zulässige Temperatur über dem Flammpunkt liegt)  = ‘R10’
   - sehr giftig  = ‘T+’
   - giftig  = ‘T’
   - brandfördernd  = ‘O’

Um dies besser zu erläutern, nehmen wir Kohlenmonoxid als praktisches Beispiel. Aus dem öffentlich verfügbaren Materialsicherheitsdatenblatt (MSDS) eines wichtigen Gasproduzenten/-zulieferers ist Folgendes ersichtlich: 

Classification EC 67/548 or EC 1999/45:

F+;R12
Repr.Cat. 1; R61
T; R23-R48/23

Daran erkennt man, dass dieses Fluid sowohl hochentzündlich als auch giftig ist. Beide Eigenschaften bedingen eine Einstufung in Gruppe 1 der PED. Außerdem bedeutet das Symbol ‘Repr. Cat 1’, dass eine Reproduktionstoxizität besteht. Wäre nur dieses Symbol vorhanden, käme Gruppe 1 nicht in Frage. Dies zeigt uns, dass trotz der Einstufung einer Substanz als "gefährlich" laut 67/548/EG, diese nach der Einstufung in Gruppe 1 der PED möglicherweise als nicht gefährlich gilt.

Wie funktioniert das neue Verfahren?

 Die neuen Anforderungen sind in Artikel 13 der "neuen" PED 2014/68/EU folgendermaßen definiert:

Einstufung von Druckgeräten

(1) Die in Artikel 4 Absatz 1 genannten Druckgeräte werden entsprechend Anhang II nach zunehmendem Gefahrenpotential in Kategorien eingestuft.

Für diese Einstufung werden die Fluide in folgende zwei Gruppen eingeteilt:

a) Gruppe 1, die aus Stoffen und Gemischen gemäß den Definitionen in Artikel 2 Nummern 7 und 8 der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 besteht, welche entsprechend den folgenden Klassen physikalischer Gefahren oder Gesundheitsgefahren nach Anhang I Teile 2 und 3 der genannten Verordnung als gefährlich eingestuft sind:
i) instabile explosive Stoffe/Gemische oder explosive Stoffe/Gemische der Unterklassen 1.1, 1.2, 1.3, 1.4 und 1.5;
ii) entzündbare Gase der Kategorien 1 und 2;
iii) oxidierende Gase der Kategorie 1;
iv) entzündbare Flüssigkeiten der Kategorien 1 und 2;
v) entzündbare Flüssigkeiten der Kategorie 3, wenn die maximal zulässige Temperatur über dem Flammpunkt liegt, vi) entzündbare Feststoffe der Kategorien 1 und 2;
vii) selbstzersetzliche Stoffe und Gemische der Typen A bis F;
viii) pyrophore Flüssigkeiten der Kategorie 1;
ix) pyrophore Feststoffe der Kategorie 1;
x) Stoffe und Gemische, die in Berührung mit Wasser entzündbare Gase entwickeln, der Kategorien 1, 2 und 3;
xi) oxidierende Flüssigkeiten der Kategorien 1, 2 und 3;
xii) oxidierende Feststoffe der Kategorien 1, 2 und 3;
xiii) organische Peroxide der Typen A bis F;
xiv) akute orale Toxizität, Kategorien 1 und 2;
xv) akute dermale Toxizität, Kategorien 1 und 2;
xvi) akute inhalative Toxizität, Kategorien 1, 2 und 3;
xvii) spezifische Zielorgan-Toxizität — einmalige Exposition, Kategorie 1.

Zudem umfasst Gruppe 1 in Druckgeräten enthaltene Stoffe und Gemische, deren maximal zulässige Temperatur TS über dem Flammpunkt des Fluids liegt.

Derzeit gehört in Gruppe 2 alles, was nicht Gruppe 1 ist.

Zunächst ist auffällig, dass trotz der wesentlich umfänglicheren Einstufungen im Vergleich zur aktuellen PED diese dennoch in die gleichen weitgefassten Gruppen passen. Beispielsweise entspricht (i) der Gruppe "explosiv", (iii) entspricht "oxidierend" usw. Damit haben sich die Grundarten der von der PED erfassten Stoffe in Gruppe 1 nicht geändert und die oben aufgeführte Liste entspricht einfach der optimalsten Zuordnung zu den CLP-Kriterien.

Selbstverständlich muss erarbeitet werden, wie diese neuen Kriterien anzuwenden sind. Dazu werden zunächst die Teile 2 & 3 des CLP-Anhangs 1 betrachtet. In gleicher Weise, wie wir das grundlegende "Gefahrensymbol" für die aktuelle PED festgelegt haben (z.B. explosiv = "E"), können die entsprechenden "Gefahrenaussagen" bestimmt werden, die mit den einzelnen neuen Kategorien in Verbindung stehen. Hier einige Beispiele:

 (i) instabile explosive Stoffe/Gemische oder explosive Stoffe/Gemische der Unterklassen 1.1 – 1.5

In Tabelle 2.1.2  ist Folgendes aufgeführt (unsere eigenen sind blau hinterlegt):

Float - PED CLP Tabel 21202

- Instabile explosive Stoffe/Gemische - H200

- Unterklasse 1.1 H201

 (ii) entzündliche Gase, Kategorie 1 und 2

Tabelle 2.2.2  sieht folgendermaßen aus:

Float - PED CLP Tabel 22202

- Kategorie 1 = H220

- Kategorie 2 = H221 

Schaut man sich nun wiederum die MSDS für Kohlenmonoxid an, findet man die folgende CLP-Bezeichnung:

Float - PED CLP MSDS label CO.

Damit kann bestätigt werden, dass dieses Fluid in Gruppe 1 der PED verbleibt.

Außerdem sei darauf hingewiesen, dass im Anhang VII der CLP eine "Übersetzungstabelle" zur Übertragung der 67/548/EG in die CLP enthalten ist, die, sofern vorhanden, alle Entsprechungen aufführt.

Weitere Informationsquellen:
• die Europäische Chemikalienagentur unterhält eine Datenbank für öffentliche Recherchen von eingetragenen Stoffen sowohl auf Grundlage der 67/548/EG als auch der CLP-Kriterien: http://echa.europa.eu/information-on-chemicals
• die Zeitleiste von Lloyd's Register Energy zur Revision der PED

Lloyd’s Register Energy setzt die Prüfung des Wortlauts der neue PED fort, um die für uns als Benannte Stelle sowie für alle betroffenen Wirtschaftsbereiche wesentlichen Implikationen vollumfänglich zu verstehen. Wenn Sie künftige weiterhin aktuelle Informationen zu Artikeln über Änderungen und deren Auswirkungen auf den europäischen Markt der Druckgeräte erhalten wollen, können Sie sich hier anmelden. Weitere Informationen zur PED-Zertifizierung Ihrer Ausrüstung erhalten Sie bei  Ihrer lokalen Lloyd’s Register Niederlassung.

Über den Autor:
Colin Pimley ist der Technical Manager für Lloyd’s Register Verification, einer Körperschaft innerhalb der LR-Gruppe mit zahlreichen Mandaten als Benannte Stelle, einschließlich PED. Als staatlich geprüfter Maschinenbauingenieur hat er mehr als 30 Jahre im Druckgerätebereich gearbeitet, zunächst als Konstruktionsingenieur und anschließend im Bereich unabhängige Konformitätsbewertung. Er vertritt LR sowohl in GB als auch Europa als Benannte Stelle für die PED und besitzt damit ausgezeichnete Voraussetzungen, um nicht nur LR sondern auch andere Beteiligte durch diesen wichtigen Übergangsprozess zu führen.




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